Im Gottesdienst zum Valentinstag 2026 in der reformierten Kirche Azmoos wurde der Kirchenchor Wartau würdig verabschiedet. Damit neigt sich eine musikalische Ära dem Ende zu: Der ökumenische Kirchenchor Wartau, seit 1990 fester Bestandteil des kirchlichen Lebens in den reformierten Kirchen Gretschins und Azmoos und der katholischen Kirche Azmoos stellt seine Tätigkeit ein. Damit schliesst sich ein Kapitel, das über Jahrzehnte hinweg für gelebte Ökumene, Gemeinschaft und musikalische Qualität stand.
Ein Pionierprojekt der Ökumene
Als sich vor 35 Jahren die beiden evangelischen Kirchenchöre mit der katholischen Kirchgemeinde zusammenschlossen, war das ein mutiger Schritt. Der erste ökumenische Kirchenchor der Region sollte „in allen drei Kirchen von Wartau in Gottesdiensten mitwirken“ – so steht es im Gründungsprotokoll. Was damals skeptisch beäugt wurde, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte.
Musik, die das Gemeindeleben prägte
Dreimal jährlich sang der Chor in jeder der drei Kirchen, dazu kamen Advents- und Jahreskonzerte mit Solisten und Orchester. Rund 40 Proben pro Jahr gehörten zum festen Rhythmus. Unter der ersten Dirigentin Elisabeth Roth zählte der Chor 50 Mitglieder. Beim Amtsantritt von Nina Lenherr 2008 waren es noch 30 Sängerinnen und Sänger.
Das Repertoire war vielfältig: deutsch, englisch, lateinisch – und gelegentlich sogar im Toggenburger Dialekt. Der Chor war über Jahrzehnte ein musikalischer Ankerpunkt für viele Gottesdienstbesucher.
Demografischer Wandel fordert seinen Tribut
Wie viele Chöre kämpfte auch der ökumenische Kirchenchor in den letzten Jahren mit schwindenden Mitgliederzahlen. Altersbedingte Austritte und Todesfälle liessen die Reihen dünner werden. Heute zählt der Chor noch 14 Mitglieder, neun davon seit der Gründung dabei.
Um weiterhin auftreten zu können, entstand ab 2014 eine enge Zusammenarbeit mit dem katholischen Kirchenchor Pfäfers. Gemeinsame Gottesdienste in Wartau und Pfäfers wurden gepflegt.
Ein Abschied voller Dankbarkeit
Trotz Wehmut blicken die Verantwortlichen mit grosser Dankbarkeit zurück: auf unzählige Proben, festliche Gottesdienste, berührende Konzerte und auf Freundschaften, die weit über die Musik hinausgewachsen sind. Der Chor hat Spuren hinterlassen – nicht nur in den Kirchen, sondern in den Herzen vieler Menschen. Der Chor prägte ein Stück lebendige Kirchen- und Dorfgeschichte.
Dass der Chor zu Ostern 2026 aufhört, am letzten Auftritt in der katholischen Kirche Azmoos, ist bedauerlich, aber es ist ein würdiger Abschluss eines langen, erfüllten Weges. Die Musik verstummt, aber die Beziehungen, Erinnerungen und die gelebte Ökumene bleiben.